Das Märchen vom Weihnachtsmann

Die Tradition vom Weihnachtsmann ist eine lange. Es ist ein Brauch, der seit Jahren verwendet wird – ohne den Sinn zu hinterfragen.

An wie viele Momente aus eurer Kindheit könnt ihr euch erinnern?
Ich kann mich gut an den Moment erinnern, als ich mit ca. 5 Jahren im Auto am Fenster saß
und bedrückt hinaus in die Kälte schaute. Ich war so wütend und wusste nicht genau auf wen.
Vermutlich auf meinen Bruder, der total schadenfroh
neben mir umher wippte und mir ganz stolz in aller Freude erzählen musste: den Weihnachtsmann gibt es gar nicht!

Santa – die Figur, die Weihnachten symbolisiert.
Foto: www.yorktonthisweek.com


W
ann und wierdest du einem Kind sagen, dass die dicke, freundliche Person, an die sie festhalten und glauben und welche sie am Ende des Jahres für das brav sein belohnt, in Wirklichkeit gar nicht existiert?

Zu einer Zeit, in der es draußen stets kalt und dunkel ist, kleine Lichter in warmen rot- und orange-
tönen ein wenig die Stimmung erhellen,
sind wir im inneren so kalt und lassen Kinder im
Dunkeln über eine Wahrheit,
welche die meisten auf schmerzhafte Art erfahren müssen.

Es handelt sich um eine Jahrhunderte alte Tradition.

Bischof Nikolaus, der gerne Kinder beschenkte, wird zum Symbol für Weihnachten. Er wird zum Nikolaus, zum Weihnachtsmann und ja, das Christkind gibt es auch noch. Durch’s Fenster herein,
durch den Kamin hindurch oder wie durch Zauberhand gelangen sie hinein. Essen Kekse, erfüllen alles auf dem Wunschzettel und an Heilig Abend liegen die ersehnten Geschenke über Nacht unter dem
liebevoll geschmückten Baum.

Für die meisten Kinder absolut realistisch und glaubhaft – jeder glaubt immerhin daran. Und wenn sie Erwachsene fragen, ob es den Weihnachtsmann gibt, sagen natürlich alle „Ja, natürlich!“. Weshalb auch nicht, schließlich wird er ja oft im Fernsehen und auf Plakaten gesehen.

Eltern, sowie Kinder haben viel Freude mit Geschichten und Anekdoten um und über dem Glauben, der Illusion des Weihnachtsmanns.


Doch wenn es sich um eine Lüge handelt,
wäre es nicht Zeit sich von Traditionen zu trennen?

 

Es ist eine Jahreszeit, die alle in gewisser Weise verbindet: Alle suchen nach dem perfekten Geschenk für ihre Liebsten. Sie scheinen glücklicher, sind offener, voller Zuneigung und bereit zu vergeben.

Weihnachten ist das Abbild für den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Eine Tradition, die es schon immer gab und immer geben wird. Eine Zeit, die diese Sicherheit gibt – und deshalb denkt kaum jemand an eine Veränderung oder wagt es, etwas neues zu probieren.

Wann erleuchten wir Kinder mit der Wahrheit?

Mein Arbeitskollege Jonas läuft an mir vorbei und ich ergreife die Chance:
Sag mal, hast du früher an den Weihnachtsmann geglaubt?“
An das Christkind, ja. Wieso?“
Wie wurdest du aufgeklärt?“
Die Augen leuchten auf und er lacht, “
das war fies!…Ich bin nachts auf’s Klo gegangen und hab
meine Eltern gesehen, wie sie gerade die Geschenke unter den Weihnachtsbaum legten”. Er schaut
in die Leere und lächelt in Erinnerung schwelgend, “aber ich fand’s immer lustig daran zu glauben. Wir sind mit meiner Oma hoch in den Speicher mit Taschenlampe, um dem Christkind den Weg zu erleuchten.“

Wie war das bei euch?

Ich erinnere mich, dass ich nie sauer auf meine Eltern war oder Weihnachten oder dem Fakt, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt – ich habe mich nur an die schönen Seiten erinnert. Den Weihnachtszauber drum herum und dass die Familie da war.

Heute denke ich mir an keinem Moment,

dass das Fest der Liebe einen Weihnachtsmann bräuchte.

Es wird nicht zurückgeblickt, er fehlt nicht, es wird nicht mal an ihn gedacht.

Dennoch ist Weihnachten ohne Weihnachtsmann/Christkind als Kind schwer vorstellbar.

Was wäre, wenn diese Tradition gar nicht erst eingeführt worden würde? Wenn Weihnachten nur“ ohne Weihnachtsmann gefeiert wird. „Nur“ als Tag der Andacht, der Aufmerksamkeit, der Nähe und Liebe und wo jeder zeigt, dass er füreinander da ist. Wo sich Kinder freuen, wenn die Eltern am Ende des Jahres gelassen über die Urlaubstage entspannt Geschenke austauschen und ihren Kindern zeigen, dass sie stolz auf sie sind (und brav waren dieses Jahr…).

Bei einer Umfrage konnten sich fast alle in Details daran erinnern, wer sie wie „aufgeklärt“ hat. Oft war es ein Freund/eine Freundin, die älteren Geschwister oder ein Lehrer, der die Kinder ihrer schönsten Kindererinnerung beraubte, indem er ihnen nüchtern die Realität vor Augen führte.

Nicht selten wird dabei das Kind oft als dumm und leichtgläubig dargestellt. Viele gaben sogar zu, dass sie bis heute noch sauer auf diese Person sind. Sie reagierten damals frustriert, enttäuscht, wütend.

Wie würden wir heute reagieren?


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ie würdest Du reagieren,

wenn ich dir von einer Lüge,

einer Illusion erzählen würde,

die dein Leben begleitet hat?


Wären wir enttäuscht, frustriert, wütend? Würden wir uns trotz aller Widerlegungen weiter an die Lüge des Weihnachtsmanns klammern? Manche sagten, sie hätten es getan. Selbst wenn im Vorjahr der Bart runterfiel und ganz eindeutig Onkel Klaus im Anzug steckte, haben es viele schnell verdrängt und weiterhin daran festgehalten. Warum bloß?

Andere sagten, sie haben schon lange gezweifelt und selbst hinterfragt, ob das möglich sei, mit dem Weihnachtsmann oder dem Christkind. Nachts ins Haus einbrechen, Millionen Kinder in einer Nacht besuchen, aus simpler Großzügigkeit Geschenke verteilen…

Desto mehr rationale Denkelemente wir entwickeln,
desto eher kommen wir hinter die ganze Sache.

Von alleine zu sagen, „das glaube ich nicht, egal, ob alle daran glauben, egal, ob es schon immer so gemacht wurde“, ist besonders bewundernswert im jungen Alter.

Mit der Zeit ist auch klar, dass der „Glaube an den Weihnachtsmann irgendwann durch vernünftiges Nachdenken auch wirklich gar nicht mehr tragbar ist“, sagte Lili K. aus der Umfrage. Sie kam alleine hinter die Sache.

Wie groß ist der Unterschied, sein eigenes gewohntes Handeln und seinen Glauben zu hinterfragen, als Kind und als Erwachsener?

Wie reagiert ein Erwachsener auf die Zerstörung einer Illusion, die es schon immer gab, ihn von allen Seiten begibt, die real erscheint und an die alle um ihn herum auch fest glauben.

 

Wie würdest du heute reagieren?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und akzeptiert die Illusion als Normalität.

In wie vielen Fällen könnte das aber bloß eine Lüge sein? Bloß eine Erfindung?

Ob zum testen der Naivität der Leute oder aus Profitgier. Immerhin werden durch die Figur „Weihnachtsmann“ Millionen an Umsatz gemacht. Was wäre, wenn dann die Wahrheit für alle ans Licht kommt? Dass alles gelogen ist. Dass die Figur fortan besser ignoriert und vergessen wird.

Wie würden wir reagieren? Wären wir enttäuscht? Frustriert? Wütend?

Womit wäre das nun Vergleichbar? Wir schwimmen in einigen Illusionen im Alltag, an denen wir nur glauben, weil sie uns von Geburt an kulturell bedingt angeeignet sind – durch Werbung, Marketing, Religion, der Verbreitung einer Überzeugung…

Bei der Illusion, dem Glauben, der Überzeugung, dass Tierfleisch (Tierleichen), Kuhmilch (Eutersekret/Muttermilch) oder (künstlich befruchtete) Hühnereier gesund seien, reagieren beinahe ausnahmslos alle enttäuscht, frustriert – aber vor allem wütend.

Wütend auf mich? Für die Verbreitung der Informationen? Für das Aussprechen der Wahrheit? Wütend auf sich selbst? Oder wütend auf Weihnachten – das drum herum? Weil man belogen wurde und es sonst niemand gesagt hat?

Schützend heißt es, „es wurde immer schon gemacht“, es sei „Tradition“
und das ändere man nicht.

Von alleine zu sagen, „das glaube ich nicht, egal, ob alle daran glauben, egal, ob es schon immer so gemacht wurde,“ tun hier die wenigsten. In diesem Fall klammert sich die Mehrheit weiter an die Lüge, dass Tierprodukte gesund für unseren Körper seien. Der herunterfallende Bart wird verdrängt.

Warum?

Kinder haben eine flexiblere Weltanschauung, weshalb die Aufklärung mehr oder weniger schnell von dannen geht.

Weil ein Erwachsener in seinem Lebensstil schon fest eingefahren ist, zeigen sich die meisten sehr unfähig und ängstlich, etwas neues zu probieren oder gar etwas verändern zu wollen.

Nicht nur an etwas festhalten, nur weil es Tradition ist.

So viel Tierleid, Massentötungen, umweltschädliche Produktionen, Ressourcenverschwendung und nicht zuletzt die gesundheitlichen Nachteile sind ebenso durch vernünftiges Nachdenken auch wirklich gar nicht mehr tragbar“. Keine Ausrede mehr lässt sich rechtfertigen.

Zeit für neue Vorsätze

Wie kann das Fest der Liebe so dem Namen gerecht werden? Zu einer Zeit in der alle offener und bereit zu vergeben sind, werden paradoxer Weise so viele Tiere getötet wie zu keiner anderen Jahreszeit. Millionen Gänse, Schweine, Kaninchen und weitere Tiere werden jedes Jahr weltweit hingerichtet – für ein Festmahl der Liebe.

Zu wenige haben das Glück zu erkennen, dass sich ohne Tierleid ein befreites, befriedigenderes und gewissenhafteres Leben führen lässt. Ohne Lügen, ohne Manipulation, ohne Illusion.

Fair. Gemeinsam. Liebevoll.

So, wie viele sich ein Leben ohne tierische Produkte gar nicht vorstellen können, konnten wir uns auch als Kind kaum ein Weihnachten ohne Weihnachtsmann vorstellen.

Und heute denke ich mir zu keinem Moment, dass es tierische Produkte bräuchte. Es wird nicht zurückgeblickt, es fehlt nicht, es wird nicht mal daran gedacht.

Jeder kann sich umgewöhnen und eine neue Normalität schaffen.

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Ich sag’s ihr, ich sag’s ihr“, witzelte mein Bruder und er lachte, weil er etwas wusste und ich nicht. Er verriet es mir und ich? Ich widersprach nicht, denn es lag auf der Hand. Es machte Sinn. Ich musste es akzeptieren. Aber ich war die ganze Fahrt über sauer. Sauer auf meinen Bruder.

Warum?

Er hatte mir nur die Wahrheit gesagt.

 

 

 

 

 

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